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Mrz 24

Innert Kürze sterben zwei Hunde, ein dritter entgeht knapp dem Tod. Der Verdacht: die Infektionskrankheit Babesiose. Hundehalter sind verunsichert, in Dotzigen kursieren Flugblätter. Ein Experte beruhigt.
Tierärztin Renée Devaux behandelt einen Hund in ihrer Praxis. Derzeit hat sie viel zu tun. Die Infektionskrankheit Babesiose verunsichert in Dotzigen die Bevölkerung.

In Dotzigen sind zwischen Ende Februar und Anfang März gleich drei Hunde unterschiedlicher Rassen schwer erkrankt. In zwei Fällen verlief die Krankheit tödlich, ein Labradormischling wurde gerade noch rechtzeitig behandelt. Bereits letzten Herbst starb zudem im Dorf ein Boxer.

In zwei Fällen war die Diagnose klar, bei den beiden anderen deuten die Symptome auf dieselbe hin: Babesiose, eine hundespezifische Infektionskrankheit, ausgelöst durch Parasiten im Blut, sogenannte Babesien, die durch Zecken übertragbar sind. «Wir müssen davon ausgehen, dass es sich in allen Fällen um diese Krankheit handelt», sagt Tierärztin Renée Devaux, die in Büren eine Tierarztpraxis betreibt.

Bebesiose
Die Babesiose des Hundes (Syn. „Hundemalaria“, Piroplasmose) ist eine durch Einzeller der Gattung Babesia hervorgerufene Infektionskrankheit bei Hunden, die eine Zerstörung der roten Blutkörperchen und damit eine mehr oder weniger ausgeprägte Blutarmut (Anämie) hervorruft. Die Erkrankung verläuft in Deutschland meistens akut mit hohem Fieber und endet ohne Behandlung binnen weniger Tage tödlich. Die Übertragung erfolgt durch Zecken. Während die Babesiose bis in die 1970er Jahre vor allem eine „Reisekrankheit“ war, kommt sie durch die Ausdehnung des Verbreitungsgebiets der Auwaldzecke mittlerweile natürlich vor. Die Diagnose wird über einen Nachweis der Babesien-DNA oder eine mikroskopische Untersuchung des Blutes gesichert. Zur Behandlung werden Antiprotozoika eingesetzt.

Krankheitsbild

Bei uns tritt vor allem die akut verlaufende Form der Babesia-canis-canis-Infektion auf. Die Inkubationszeit beträgt 5 bis 7 Tage, selten kann sie bis zu drei Wochen nach dem Zeckenstich dauern. Krankheitszeichen (Symptome) sind ein gestörtes Allgemeinbefinden und Fieber, gefolgt von Fressunlust, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit. Ein bis zwei Tage später kommt es aufgrund des Zerfalls der roten Blutkörperchen (Hämolyse) zu Blutarmut (Anämie), Blutharnen, Ausscheidung des Blutfarbstoffabbauprodukts Bilirubin über den Harn (Bilirubinurie) und gegebenenfalls auch Gelbsucht. Eine Leber- und Milzvergrößerung kommt häufig vor. Bei schweren Verläufen treten eine Bauchwassersucht und Wasseransammlungen (Ödeme) sowie Haut- und Schleimhautblutungen infolge Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie) und eine Blutgerinnung innerhalb der Blutgefäße (disseminierte intravasale Koagulopathie) auf. Entzündungen der Maul- (Stomatitis) und Magenschleimhaut (Gastritis) sowie der Muskulatur (Myositis) sind häufig. Auch eine zentralnervöse Form mit epilepsieähnlichen Anfällen, Bewegungsstörungen und Lähmungen ist möglich. Die akute Form endet unbehandelt binnen weniger Tage mit dem Tod durch Atemnot, Anämie und Nierenversagen, welches eine gefürchtete Komplikation einer Babesiose ist. Der seltene perakute Verlauf endet ohne deutliche Symptome binnen ein bis zwei Tagen tödlich. Die Infektion mit B. canis rossi verläuft ähnlich wie die mit B. canis canis.

Der Grad der klinischen Erscheinungen hängt von verschiedenen Faktoren ab. In den klassischen Naturherden von Babesia canis canis (Südösterreich, Ungarn, Norditalien) sind die Jungtiere aufgrund einer hohen Durchseuchung im allgemeinen durch Antikörper aus der Erstmilch (Kolostrum) der Hündin geschützt, entwickeln durch primäre Latenz einen weitgehenden Schutz und werden zu immunen Überträgern. Hier dominiert der chronische oder subklinische Krankheitsverlauf mit unspezifischen Symptomen wie intermittierendem Fieber, Fressunlust, Blutarmut und allgemeiner Schwäche. Auch die Infektionen mit B. canis vogeli und den „kleinen Babesien“ verlaufen milder.

Diagnostik
Die Babesiose kann klinisch mit einer Vielzahl anderer fieberhafter Erkrankungen verwechselt werden. Die Diagnose ist über einen normalen Blutausstrich („Dünner Tropfen“) oder den so genannten „Dicken Tropfen“ möglich, wobei Kapillarblut sensitiver ist als venöses Blut. Die Erreger können in der Frühphase der Infektion und in den Phasen zwischen den Vermehrungsschüben im Blut (Parasitämie) nur in geringer Zahl auftreten und damit übersehen werden. Sicher ist der Nachweis im Blutausstrich erst etwa 7 Tage nach der Infektion. Die Babesien können unter dem Mikroskop nachgewiesen werden, wobei die Giemsa-Färbung – im Gegensatz zu den üblichen Schnellfärbungen – am zuverlässigsten ist. B. canis zeigt sich als paarweise oder in größeren Gruppen rosettenförmig angeordnete birnenförmige Gebilde in den roten Blutkörperchen, B. gibsoni als ringförmig angeordnete Strukturen. Ein sicherer PCR-Nachweis der DNA der Erreger ist bereits 3–5 Tage nach der Infektion möglich.

Serologische Untersuchungen wie der Immunfluoreszenzantikörpertest und der Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA) sind bei akutem Verlauf ohne Bedeutung, da die Tiere noch keine Antikörper gebildet haben. Antikörper sind frühestens 10 Tage nach der Infektion nachweisbar. Bei chronischem Verlauf treten zyklische Veränderungen des Antikörperspiegels auf.


Ein Importprodukt

Derzeit reagiert Devaux rasch, wenn sich Besitzer kranker Hunde melden, und bittet umgehend zur Kontrolle. Das Credo: lieber einmal zu viel als zu wenig behandeln. «Die Leute sind verunsichert», stellt Devaux fest. Am Samstag fand im Dorf eine Infoveranstaltung aus aktuellem Anlass statt. Zuvor kursierten Flugblätter im Dorf.

Ein Experte beruhigt: «Babesiose ist in der Schweiz keine Unbekannte», sagt Bruno Gottstein, Parasitologe an der Vetsuisse-Fakultät in Bern. In Gebieten im Kanton Genf, in der Westschweiz oder im Tessin sei sie als Mittelmeerkrankheit bekannt, die vor allem in Ländern wie Spanien, Italien und Regionen wie Südfrankreich auftritt. Dort ist sie inzwischen heimisch geworden. Ein Importprodukt quasi, eingeschleppt durch Hunde, die mit ihren Besitzern im Ausland weilten. So weit die Vermutung: «Gesichert ist das nicht», hält Gottstein fest.


Keine Unbekannte

Die Krankheit ist bekannt. Unbekannt ist hingegen, dass die sogenannte Hundemalaria auch in der Region gehäuft auftritt. Vor acht Jahren erkrankten im Raum Grenchen zwei Hunde an Babesiose, jedoch ohne tödlichen Ausgang. Andere lokal gehäufte Ausbrüche sind im Seeland nicht bekannt, aber einzelne Fälle tauchen gelegentlich überall in der Schweiz auf. Heimtückisch an der Sache ist: Für die Übertragung verantwortlich sind laut Parasitologe Gottstein in den meisten Fällen die braune Hundezecke sowie die Auwaldzecke, beide ebenfalls aus dem Ausland importiert, beide ebenfalls in der Schweiz inzwischen heimisch. Zwar muss nicht jede Zecke gleich Träger von Parasiten sein, doch im Gegensatz zu anderen Zeckenarten ist etwa die braune Hundezecke ein Überlebensprofi und fühlt sich auch in Häusern wohl: Dort kann sie es mehrere Monate aushalten und sich ungestört vermehren. Im Winter wird die Zeckenprophylaxe für Hunde auch schon mal ausgesetzt. Endet beispielsweise dann die Wirkung eines Schutzmittels, können die Zecken dem schutzlosen Fido in der Wohnung an den Kragen, und das buchstäblich. Dies, vermutet Tierärztin Devaux, könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Zecken in Dotzigen bereits Ende Februar den Hunden zugesetzt haben. Eine andere: ein Zeckenbiss draussen in der Natur. «Die Saison hat dieses Jahr sehr früh begonnen», so Devaux.

Weiteres Risiko?

Bekanntlich sind Teile des Seelands als Zeckenrisikogebiet bekannt. Tierärztin Renée Devaux sagt: «Offenbar kommt ein weiteres Risiko dazu.» Parasitologe Gottstein rät: «Panikmache ist nicht angesagt. Er empfiehlt Hundebesitzern zur entsprechenden Prophylaxe. Auch Impfen sei durchaus angezeigt, falls in der Region weitere Fälle auftreten sollten, so Gottstein. Dafür sei es aber im Moment zu spät, da die Schutzwirkung erst einen Monat nach dem Impfen eintrete. Geimpft werden sollte deshalb in einem Risikogebiet kurz vor der Zeckensaison, so Gottstein.

Mensch nicht in Gefahr

In einem anderen Feld entwarnt der Parasitologe. «Babesien, die einen Hund krank machen, können beim Menschen keine Krankheit hervorrufen», sagt Bruno Gottstein. Menschen können an einer bestimmten Babesie des Rindes sowie einer der Maus erkranken. «Aber das ist sehr selten.»


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