Während der Hund, verglichen mit dem Mensch, ein grösseres Blickfeld hat, Bewegungen besser wahrnimmt und bei schlechtem Licht besser sieht, besitzt der Mensch Vorteile bei der Seh- und Tiefenschärfe sowie beim Farbsehen.
Biologische Unterschiede
Vom biologischen Aufbau her gibt es kaum Unterschiede zwischen dem Auge des Menschen und dem des Hundes. Die Netzhaut enthält – bei Mensch und Hund – Stäbchen und Zapfen. Stäbchen vermitteln Hell-Dunkel-Kontraste, Zapfen dienen dem Farbsehen. Das menschliche Auge enthält drei verschiedene Zapfen (Farbsehen), das des Hundes nur zwei. Die Netzhaut des Hundes weist dagegen mehr Stäbchen (Hell-Dunkel-Kontraste) auf als die des Menschen. Die Augen des Hundes sind somit auf das Sehen in der Dämmerung ausgerichtet, nicht auf das Erkennen von Farben.

Das Hundeauge im Schnitt
Die Pupille ist beim Hund viel grösser als beim Mensch. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist der Hund dem Mensch in puncto Sehkraft weit überlegen. Eine grosse Pupille lässt viel Licht durch, erlaubt aber nur eine geringe Tiefenschärfe.
Eine Besonderheit des Hundeauges ist das dritte Augenlid, auch Nickhaut genannt.
Sie befindet sich im inneren Augenwinkel und kann durch Muskeln quer über den Augapfel gezogen werden. Die Nickhaut funktioniert wie ein Scheibenwischer, der das Auge reinigt. Auch die normalen zwei Augenlider übernehmen Reinigungsfunktionen.Unter dem oberen Lid liegt eine Tränendrüse, die die Hornhaut des Auges feucht hält. Diese klare, salzige Flüssigkeit sammelt sich im Augenwinkel und wird über den Tränenkanal an die Nasenhöhle abgeleitet. Die Tränenflüssigkeit dient neben der Reinigung und Befeuchtung auch zur Ernährung der Bindehaut und der Hornhaut.
Können Hunde Farben sehen?
Hunde werden oft als farbenblind bezeichnet, sind es aber nicht. Hunde weisen lediglich eine Rot-Grün-Blindheit auf, was man als Farbenfehlsichtigkeit bezeichnet. Es gibt einen einfachen Grund, warum das Farbsehen bei Hunden schlecht ausgeprägt ist: Die Evolution hat dafür gesorgt, dass Hunde ein Sehvermögen entwickeln, das ihr Überleben gewährleistet. Die Vorfahren unserer Haushunde waren allesamt Jäger, die vor allem am Morgen und am Abend aktiv waren. Dämmerungsjäger müssen Augen haben, die gut auf schwaches Licht reagieren – das Farbsehen ist dabei zweitrangig.
Bewegung wahrnehmen
Das Sehvermögen von Hunden ist besonders auf Bewegung und schlechte Sichtverhältnisse spezialisiert, was ihrer Jagdleidenschaft entgegenkommt. Hunde nehmen Objekte, die sich bewegen, viel besser wahr als still stehende. Diese Fähigkeit ist wichtig für das Verfolgen von Beutetieren. Hunde sehen Bewegungen nicht nur besser, sie können ihnen bekannte Menschen und Tiere anhand deren Bewegungsmuster identifizieren. Dagegen nimmt der Hund regungslose Objekte kaum wahr. Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie Ihr Hund von weitem kaum erkennt, wenn Sie still sehen. Diese Tatsache machen sich Beutetiere zunutze, indem sie bei drohender Gefahr verharren.
Das Gesichtsfeld des Hundes
Ein weiterer Unterschied zwischen der Sehweise von Mensch und Hund betrifft das Blickfeld – also den Ausschnitt der Umwelt, der wahrgenommen wird. Menschenaugen sind nach vorne gerichtet, während die Augen des Hundes seitlich am Kopf sitzen. Der Hund sieht folglich Dinge, die seitlich oder sogar hinter seinem Kopf passieren. Während wir Menschen ein Gesichtsfeld von 200 Grad haben, kann das Gesichtsfeld eines Hundes, je nach Rasse, einen Winkel von bis zu 260 Grad erschliessen. Bei kurzschnauzigen Rassen etwas weniger, bei windhundartigen etwas mehr.
Dafür ist der Bereich, in dem sich die Gesichtsfelder beider Augen überschneiden, beim Hund kleiner als bei uns Menschen. Das bewirkt, dass uns der Hund im Bereich der räumlichen Tiefenwahrnehmung unterlegen ist. Der Hund kann also Entfernungen nicht so gut abschätzen wie wir. Wie wichtig diese Fähigkeit für uns Menschen ist, kannst Du selber prüfen, indem Du versuchst, mit nur einem offenen Auge einen Faden in eine Nadel einzufädeln.
Im flachen übersichtlichen Gelände kann der Hund sich bewegende Personen bis zu etwa 300 maximal 400 Metern wahrnehemen. Die Sehgrenze für Sichtzeichen beträgt 100 bis 150 Meter.











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